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  • Daniela Klaus

Vitamin B12-Supplementierung – Fakten rund um Risikogruppen, Überdosierung & Krebsentstehung

Aktualisiert: 28. Nov. 2022


Vitamin B12

Langsam hat es sich herumgesprochen: Wer vegan leben will, muss ein Vitamin definitiv supplementieren und das ist Vitamin B12. Aber für was brauche ich B12 überhaupt? Kann ich es übersupplementieren? Und kann durch eine zu hohe Vitamin-B12-Supplementierung Krebs entstehen?


Inhaltsverzeichnis


1. Das Vitamin für Zellen, Blut und Nerven

2. Mangelsymptome, die auftreten können

3. B12-Bedarf mit pflanzlichen Lebensmitteln decken – geht das?

4. B12-Supplement – nicht nur für VeganerInnen wichtig

5. Ist Vitamin B12 wasserlöslich und unbedenklich?

6. Zu hohe Vitamin B12-Serumwerte – eine Gefahr für die Krebsentstehung?

7. Das solltest Sie tun: B12-Spiegel bestimmen

8. Vitamin B12 einmal am Tag supplementieren oder reicht eine Einnahme einmal in der Woche aus?

9. Sie möchten Ihren Vitamin B12-Status überprüfen lassen?

Das Vitamin für Zellen, Blut und Nerven

Vitamin B12 agiert im menschlichen Körper als Coenzym. Einfacher gesagt ist es an einigen grundlegenden Stoffwechselprozessen im Körper beteiligt. Es ist wichtig für die Zellteilung, die Blutbildung und das Nervensystem.

Daneben wirkt es am Abbau der Aminosäure Homocystein zu Methionin mit und reguliert damit die Homocysteinkonzentration im Blut. Das ist deshalb wichtig, da zu viel Homocystein Blutgefäße schädigt und ein erhöhter Plasmaspiegel zählt zu den Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen. Auch unsere Nervenzellen werden durch zu viel Homocystein angegriffen, sodass die Gedächtnisleistung abnehmen kann.


Frau müde von der Arbeit

Mangelsymptome, die auftreten können

Ein Mangel an Vitamin B12 kann sich auf unterschiedlichste Weise bemerkbar machen:

  • Müdigkeit/Kraftlosigkeit

  • Stimmungsschwankungen/Depressionen

  • Psychosen

  • Gedächtnisstörungen/Demenz

  • Hyperhomocysteinämie (zu viel Homocystein im Blut)

  • Parästhesien (Empfindungsstörungen)

  • Ataxien (Koordinationsstörungen)

  • Reflexstörungen

  • Makrozytäre hyperchrome Anämie (Blutarmut mit übernormal großen, roten Blutkörperchen)

B12-Bedarf mit pflanzlichen Lebensmitteln decken – geht das?

Nein, aktuell nicht. Denn B12 kommt überwiegend in tierischen Lebensmitteln wie Innereien, Fleisch und Fisch vor. Auch Eier, Milch und Milchprodukte enthalten das Vitamin – aber in geringeren Mengen. Da Vitamin B12 ausschließlich von Mikroorganismen synthetisiert wird, kommt es auch in vergorenen pflanzlichen Lebensmitteln wie Sauerkraut, Kimchi oder Bier vor. Die Gehalte sind aber zu gering, um bedarfsdeckend zu sein.


Ebenso ist ungewaschenes Obst und Gemüse, das mit Mikroorganismen bedeckt ist, keine adäquate B12-Quelle. Auch Algen wie z.B. die Chlorella-Alge werden nach aktueller Studienlage nicht empfohlen, um den Bedarf zu decken, da die B12-Gehalte innerhalb der Gattung zu stark schwanken, was auf die unterschiedlichen Anbauweisen zurückzuführen ist. Allerdings stellt die Chlorella-Alge eine vielversprechende Pflanze dar, die Potential haben könnte, uns zukünftig mit B12 versorgen zu können.

Somit bleibt momentan als adäquate und sichere B12-Quelle ein Supplement in passender Dosierungshöhe das Mittel der Wahl.


Frau mit Tabletten in der Hand

B12-Supplement – nicht nur für VeganerInnen wichtig

Nicht nur VeganerInnen sollten ihren B12-Serumspiegel im Blick haben, sondern auch VegetarierInnen (vor allem Lakto-Ovo-VegetarierInnen) und ältere Menschen ab 50. Auch Risikogruppen wie Schwangere, Stillende und Kinder sollten auf eine ausreichende Zufuhr achten. Selbst bei Mischköstlern ist ein Mangel nicht ausgeschlossen – auch wenn er bei ihnen eher selten auftritt. Medikamente oder bestimmte Erkrankungen können ebenfalls eine Supplementierung notwendig machen.


Ist Vitamin B12 wasserlöslich und unbedenklich?

„Vitamin B12 ist ein wasserlösliches Vitamin und wird einfach ausgeschieden, wenn ich zu viel davon supplementiere“

Grundsätzlich stimmt diese Aussage. Vitamin B12 ist wasserlöslich und ein Überschuss im Körper wird über den Urin ausgeschieden. Trotzdem gilt es, eine Sache zu vermeiden: zu hohe Vitamin-B12-Serumspiegel. Warum? Das konnte eine aktuelle Studie (Fanidi et al. 2018) zeigen.

Zu hohe Vitamin B12-Serumwerte – eine Gefahr für die Krebsentstehung?

Die Fall-Kontroll-Studie unterstützt mit ihren Ergebnissen die Hypothese früherer Studien, dass hohe Vitamin B12-Serumspiegel das Lungenkrebsrisiko erhöhen können. Direkt gemessenes zirkulierendes Vitamin B12 war bei über 5.000 Fall-Kontroll-Paaren aus 20 prospektiven Kohortenstudien positiv mit dem Lungenkrebs-Gesamtrisiko assoziiert. Diese Ergebnisse wurden mit einem Mendelschen Randomisierungsansatz basierend auf genetischen Daten von fast 30.000 Lungenkrebsfällen und über 56.000 Kontrollen bestätigt.


Warum Mendelsche Randomisierung?


Es gibt genetische Veränderungen, die dazu führen können, dass Menschen einen erhöhten oder erniedrigten B12-Serumwert aufweisen – unabhängig von ihrer Ernährung. Da wissenschaftlich nicht belegt werden konnte, ob Lungenkrebs einen erhöhten B12-Spiegel bedingt oder ob ein erhöhter Spiegel Krebs auslöst, wurde untersucht, ob ein genetisch bedingter erhöhter B12-Spiegel zu Lungenkrebs führt.


Und so war es: Eine genetisch vorhergesagte höhere Vitamin-B12-Konzentration konnte mit einem Anstieg des Lungenkrebs-Gesamtrisikos in Zusammenhang gebracht werden. Dieses Ergebnis gilt unabhängig davon, ob man Raucher ist oder welches Geschlecht man hat.

Wichtig ist aber zu sagen, dass Krebs nicht durch zu hohe Vitamin B12-Serumspiegel ausgelöst wird.


Aber: wenn man eine Krebsvorstufe im Körper hat, wirkt B12 (wie auch andere B-Vitamine) wie ein „Beschleuniger“, da sich schnell teilende Zellen (und das sind Krebszellen) zum wachsen B-Vitamine brauchen. Das bedeutet: die präkanzeröse bzw. entartete Zelle freut sich, wenn der B12-Wert nicht im Normbereich liegt.


Frau beim Arztbesuch

Das sollten Sie tun: B12-Spiegel bestimmen

Deshalb dosieren Sie nicht einfach drauf los, sondern lassen Sie Ihren B12-Spiegel bestimmen und finden Sie eine für sich passende Dosierungshöhe, so dass Ihre Werte im Normbereich liegen. Wenn Sie richtig eingestellt sind, reicht eine Kontrolle alle 1 bis 1 ½ Jahre aus.

Viel hilft nicht immer viel und das gilt vor allem basierend auf der aktuellen Studienlage für Vitamin B12.

Vitamin B12 einmal am Tag supplementieren oder reicht eine Einnahme einmal in der Woche aus?

Grundsätzlich ist das Geschmackssache – Sie können sowohl täglich ein niedrig dosiertes Supplement als auch einmal in der Woche ein hochdosiertes nehmen. Allerdings empfehle ich aus den oben genannten Gründen – und so handhabe ich es auch selbst – ein niedrig dosiertes Vitamin-B12-Supplement einzunehmen, um einen zu hohen B12-Serumspiegel grundsätzlich zu vermeiden.


Wenn Sie dir Ihrem hochdosierten Supplement unsicher sind, lassen Sie Ihre Blutwerte überprüfen. Ist Ihr Serumspiegel im normalen Bereich, brauchen Sie nichts zu befürchten. Ist er zu hoch, ist es sinnvoll eine niedrigere Dosis zu nehmen. Ich nehme zweimal am Tag 10 Mikrogramm Vitamin B12 als Supplement ein.

Sie möchten Ihren Vitamin B12-Status überprüfen lassen?

Hier können Sie sich eine Übersicht downloaden, auf was Sie bei einer Blutuntersuchung von B12 achten sollten:

merkblatt-bluttest-vitamin-b12
.pdf
Download PDF • 386KB

Brauchen Sie Unterstützung dabei, Ihren Vitamin B12-Serumwert zu interpretieren? Sind Sie sich unsicher, wie Sie Ihren Bedarf an B12 berechnen oder ob Sie als VeganerIn generell mit allen wichtigen Nährstoffen ausreichend versorgt sind? Dann melden Sie sich gerne bei mir. In meinen Ernährungsberatungen besprechen wir alle Ihre Anliegen bezüglich veganer Ernährung.




So können Sie mir Ihre Wertschätzung zeigen


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Ich freue mich über Ihr Feedback!

Viele Grüße,

Daniela



Quellen

- Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE), in: Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin B12. Unter: https://www.dge.de/index.php?id=1023 (zuletzt abgerufen am 16.08.2021).

- Gröber, in: Mikronährstoffberatung. Ein Arbeitsbuch. 1. Auflage. Stuttgart 2018.

- Leitzmann, Keller, in: Vegetarische und vegane Ernährung. 4. Auflage. Stuttgart 2020.

- Kasper, in: Ernährungsmedizin und Diätetik. 12. Auflage. München 2014.

- Rittenau, in: Vegan-Klischee ade! Wissenschaftliche Antworten auf kritische Fragen zu pflanzlicher Ernährung. 1. Auflage. Hilden 2020.

- Watanabe, Fumio et al.: Vitamin B12-containing plant food sources for vegetarians. Nutrients. 2014; 6(5):1861-73.

- Fanidi, Carreras-Torres et al.: Is high vitamin B12 status a cause of lung cancer? Int J Cancer. 2019;145(6):1499-1503.

- Brasky, White, Chen, in: Long-Term, Supplemental, One-Carbon Metabolism-Related Vitamin B Use in Relation to Lung Cancer Risk in the Vitamins and Lifestyle (VITAL) Cohort. J Clin Oncol. 2017; 35(30):3440-3448.


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